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from: michael kleerbaum
date: 2003-05-05 18:44:00
subject: Duden-Newsletter vom 5. Mai 2003

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aus dem Echo      : private Mail
Originalabsender  : duden-newsletter{at}lists.duden.de
Originaldatum     : 05.05.03
Orignalempfaenger :
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+++ Duden-Sprachberatung +++
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Manche moegen's bunt:
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Liebe Leserin, lieber Leser,

nicht nur in Amtsstuben wird es gern gepflegt - das oft
verpoente Amtsdeutsch, auch Papierdeutsch genannt. Ein
wesentlicher Bestandteil davon ist der so genannte
Nominalstil, den wir gleich zu Beginn dieser Ausgabe
einmal unter die Lupe genommen haben.

In der Walpurgisnacht waren ja mitunter Hexen und andere
finstere Gestalten in dunklen Waeldern zu Gange. Ob es nicht
vielleicht auch "finstre" Gestalten oder "dunkele" Waelder
gewesen sein koennten und was es mit dem so genannten
"e-Ausfall" bei Adjektiven auf sich hat, zeigen wir Ihnen
in der zweiten Rubrik.

Neben Hexen ergreifen ja auch viele Normalsterbliche in
der Nacht zum 1. Mai die Gelegenheit, einmal wieder das
Tanzbein zu schwingen - sofern nicht der beruehmt-beruechtigte
Hexenschuss dieses Vorhaben jaeh vereitelt. Wir haben sowohl
der Hexe als auch ihrem Schuss sprachlich auf den Zahn gefuehlt.

Viel Spass beim Lesen wuenscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung



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Haetten Sie's gewusst?
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Nominalstil

Eine Ausdrucksweise, in der viele Substantive (Nomen) und
umfangreiche Substantivgruppen in einem Satz verwendet sind,
nennt man "Nominalstil". Haeufig anzutreffen im so genannten
Amtsdeutsch, aber auch in der Verwaltungs- und Rechtssprache
sowie allgemein im geschaeftlichen Schriftverkehr. Besonders
unschoen ist dabei auch der Gebrauch schwerfaelliger Bildungen
wie "Inanspruchnahme", "Nichtbefolgung",
"Ausserachtlassung",
"Zurverfuegungstellung" etc. Soweit es geht, sollte man eine
Haeufung von Substantivbildungen vermeiden, da eine solche
Ausdrucksweise im Allgemeinen schwerer verstaendlich ist als
entsprechende Fuegungen mit einem Verb. Die verbale
Ausdrucksweise ist meistens anschaulicher, lebendiger und
auch leichter verstaendlich:
"Es besteht die Moeglichkeit zur Anmeldung zu unserer Fahrt
nach Holland. - (Besser:) Es besteht noch die Moeglichkeit,
sich zu unserer Fahrt ... anzumelden. Aufgrund des Preisanstiegs
im Rohstoffbereich ... - (Besser:) Da die Preise fuer Rohstoffe
angestiegen sind, ... Eine Gewaehrleistung fuer die termingerechte
Lieferung der Ware wird nicht gegeben. - (Besser:) Wir koennen
nicht gewaehrleisten, dass die Ware termingerecht geliefert wird.



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Was Sie schon immer wissen wollten
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e-Ausfall bei Adjektiven

Bei allen Adjektiven auf -el faellt das "e" dieser
Buchstabenverbindung in den gebeugten Formen aus:
"dunkle Maechte", "ein nobles Angebot", "ein eitler
Pfau". Adjektive auf -er und -en jedoch behalten
gewoehnlich das "e" bei: "finstere Gestalten", "ein
ebenes Gelaende". Endet allerdings der Stamm auf "au"
oder "eu", dann faellt  das "e" aus: "saure Gurken",
"teure Zeiten". Dasselbe gilt fuer fremde Adjektive:
"ein penibler Mensch", "integre Beamte", "eine makabre
Geschichte".
Im Komparativ verlieren die Adjektive auf -el ebenfalls
generell das "e": "ein dunklerer Wald". Adjektive auf -er
und -en sind etwas flexibler und kommen mit oder ohne "e"
zurecht: "finst[e]rere Gestalten", "trock[e]nere Handtuecher".
Eine Ausnahme bilden hier wiederum die Adjektive mit
Diphthong ("au" und "eu") vor der Silbe -er, die stets ihr
"e" ausstossen: "Die Gurken sind saurer, als ich dachte."
Ein teureres Geschenk konntest du wohl nicht finden."



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Fuer Sie nachgeschlagen
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Hexe/Hexenschuss

Das auf das Westgermanische beschraenkte Wort
(mittelhochdeutsch "hecse", "hesse", althochdeutsch
"hagzissa", "hag[a]zus[sa]") ist eine verdunkelte
Zusammensetzung. Das Bestimmungswort ist wahrscheinlich
das unter "Hag" ("Zaun, Hecke, Gehege") dargestellte
Substantiv, das Grundwort, das bis heute nicht sicher
gedeutet ist, gehoert vielleicht mit norwegisch mundartlich
"tysja" ("Elfe; verkrueppelte oder zersauste Frau") zusammen.
Demnach waere Hexe ein sich auf Zaeunen oder Hecken
aufhaltendes daemonisches Wesen, beachte altislaendisch
"tunrida" ("Hexe", eigentlich "Zaunreiterin").
Im ausgehenden Mittelalter ging das Wort fuer einen - dem
Volksglauben nach - [boesen] weiblichen Geist auf eine Frau
ueber, die mit dem Teufel im Bunde steht und ueber magisch-
schaedigende Kraefte verfuegt. [...] Ableitungen: "hexen"
(16. Jh.), dazu "behexen" und "verhexen";
"Hexerei" (16. Jh.).
Zusammensetzungen: "Hexenmeister" (16. Jh.); "Hexenschuss"
(16. Jh.). Nach dem Volksglauben beruht die Krankheit
Lumbago auf dem Schuss einer Hexe; diese Vorstellung scheint
sehr alt zu sein, beachte altenglisch "haegtessan" bzw.
"ylfa gescot" ("Hexen- bzw. Elbenschuss").

Aus: Duden 7, Das Herkunftswoerterbuch. Mannheim 2001.



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SOURCE: echomail via fidonet.ozzmosis.com

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