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from: michael kleerbaum
date: 2003-02-23 01:18:00
subject: Duden-Newsletter vom 21. Februar 2003

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+++ Duden-Sprachberatung +++
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Manche moegen's bunt:
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Liebe Leserin, lieber Leser,

es Frauen wie Maennern gleichermassen recht zu machen, ist ja
bekanntlich nicht einfach. Wie Sie aber zumindest in der
Schreibung beiden Geschlechtern mit so genannten Kurzformen
wie z. B. "Mitarbeiter/-in" gerecht werden, zeigen wir Ihnen
gleich im ersten Abschnitt.

Karneval, Fasching und Fastnacht - wenn sich auch das naerrische
Treiben ueberall mehr oder weniger gleicht, so sind doch die
Bezeichnungen dafuer regional sehr unterschiedlich. Puenktlich
zum Hoehepunkt der fuenften Jahreszeit sind wir der Herkunft
dieser Begriffe einmal nachgegangen.

Zum Abschluss lassen wir noch ein wenig Ostalgie aufkommen.
Einiges Wissenswerte ueber die Besonderheiten des
DDR-Wortschatzes haben wir diesmal im Herkunftswoerterbuch
nachgeschlagen.

Viel Spass beim Lesen wuenscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung



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Wie schreibt man's richtig?
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Kurzformen ("Mitarbeiter/-innen")

Prinzipiell haben Sie zwei Moeglichkeiten, der Gleichstellung
von Frauen und Maennern in Kurzform gerecht zu werden - zum
einen die Variante mit Schraegstrich, zum anderen die
Klammerversion: z. B. "Mitarbeiter/-in" bzw. "Mitarbeiter(in)"
oder "Lehrer/-innen" bzw. "Lehrer(innen)". In Faellen, in denen
die Endung der weiblichen Form ("-in" oder "-innen") nicht
direkt an die der maennlichen Form angehaengt werden kann, ist
nur die Klammerschreibung moeglich: z. B. "Patient(inn)en" oder
"Kund(inn)en".
In einigen hartnaeckigen Faellen lassen sich jedoch maennliche
und weibliche Form gar nicht auf einen Nenner bringen. Dies
betrifft in erster Linie Singularformen wie "Kunde/Kundin" oder
"Arzt/Aerztin". Hier fuehrt kein Weg an der Doppelnennung vorbei.
Auf die Schreibung mit dem grossen I im Wortinnern - z. B.
"StudentInnen" - sollte man dagegen lieber verzichten, da sie
nicht den Rechtschreibregeln entspricht.


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Woher kommt?
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Fastnacht/Fasching/Karneval

Der Tag vor Aschermittwoch heisst als "Vorabend der Fastenzeit"
um 1200 mittelhochdeutsch "vastnaht". In dem spaeter bezeugten
"vas[e]naht" (dem heute oberdeutsch und mittelrheinisch
"Fas[e]nacht" entsprechen) ist lediglich die Aussprache
erleichert.
Die sueddeutsche, urspruenglich bairisch-oesterreichische
Bezeichnung "Fasching"  erscheint im 13. Jahrhundert als
"vaschanc, vastschang" und wurde als "Ausschenken des
Fastentrunks" (mittelhochdeutsch "schanc" = Schenken)
verstanden. Das auch als Freudenruf "oho, vaschang!" bezeugte
Wort wurde dann im 17. Jahrhundert an die Woerter auf "-ing"
angeglichen.
Die besonders im Rheinland und Norddeutschland uebliche
Bezeichnung "Karneval" schliesslich wurde aus italienisch
"carnevale" entlehnt, dessen genaue Herkunft bis heute nicht
eindeutig geklaert ist. Vermutlich setzt es sich aus lateinisch
"caro, carnis" (= Fleisch) und "levare" (= wegnehmen)
zusammen. Dass es auf die unmissverstaendliche Aufforderung
"Fleisch, lebe wohl!" (lat. "carne vale") zurueckgehen koennte,
ist wohl eher eine volksetymologische Deutung - wenn auch
im Hinblick auf die Fastenzeit nicht ganz abwegig.


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Fuer Sie nachgeschlagen
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Die sprachliche Entwicklung in der DDR

[...] In der DDR war zunaechst der Einfluss des Englischen
wesentlich geringer als in der Bundesrepublik. Einige englische
Woerter sind ueber das Russische entlehnt worden, z. B.
"Dispatcher" (russisch "dispetcer" = leitender Angestellter in
der Industrie, aus englisch "dispatcher", zu "to dispatch" =
erledigen), "Kombine" (= Maschine, die verschiedene Arbeitsgaenge
gleichzeitig ausfuehrt, russisch "kombajn", zu englisch "to
combine" =
zu einer Einheit zusammenstellen"). Diese Woerter waren in der
Bundesrepublik nicht gebraeuchlich, ebenso wenig Broiler
(= Brathaehnchen, englisch "broiler", zu "to broil" = grillen,
braten.
[...] In den Jahren nach 1990 sind viele dieser Bezeichnungen
aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Eine Reihe von Woertern sind
jedoch weiter im Gebrauch geblieben, so z. B. Zusammensetzungen
mit "Feinfrost-" (fuer "Tiefkuehl-"),
"Plast/Plaste", "rekonstruieren"
(fuer "sanieren, renovieren"), "Zielstellung" (fuer
"Zielsetzung",
entsprechend auch "[sich] ein Ziel stellen" fuer "[sich] ein Ziel
setzen", ebenso die Bezeichnungen "Einraum-, Zweiraum-,
Dreiraumwohnung" usw. (fuer "Einzimmerwohnung" usw.). In der
Jugendsprache hat "urst" (= grossartig, toll) weiter seinen Platz,
und die Wendung "sich einen/keinen Kopf machen" (= sich Gedanken/
keine Gedanken machen) ebenso wie die Fuegung "sich einbringen"
haben auch im uebrigen bundesrepublikanischen Sprachraum Aufnahme
gefunden.

Aus: Duden 7, Das Herkunftswoerterbuch. Mannheim 2001.



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SOURCE: echomail via fidonet.ozzmosis.com

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