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| subject: | Duden-Newsletter vom 21. Februar 2003 |
**************************** +++ Duden-Sprachberatung +++ **************************** Manche moegen's bunt: Wenn Sie den Newsletter lieber im HTML-Format lesen wollen, bietet Ihnen unser Archiv dazu die Gelegenheit - ausserdem finden Sie dort auch alle bislang erschienenen Ausgaben: http://www.duden.de/newsletter/archiv ********************************************* Liebe Leserin, lieber Leser, es Frauen wie Maennern gleichermassen recht zu machen, ist ja bekanntlich nicht einfach. Wie Sie aber zumindest in der Schreibung beiden Geschlechtern mit so genannten Kurzformen wie z. B. "Mitarbeiter/-in" gerecht werden, zeigen wir Ihnen gleich im ersten Abschnitt. Karneval, Fasching und Fastnacht - wenn sich auch das naerrische Treiben ueberall mehr oder weniger gleicht, so sind doch die Bezeichnungen dafuer regional sehr unterschiedlich. Puenktlich zum Hoehepunkt der fuenften Jahreszeit sind wir der Herkunft dieser Begriffe einmal nachgegangen. Zum Abschluss lassen wir noch ein wenig Ostalgie aufkommen. Einiges Wissenswerte ueber die Besonderheiten des DDR-Wortschatzes haben wir diesmal im Herkunftswoerterbuch nachgeschlagen. Viel Spass beim Lesen wuenscht Ihnen Ihre Duden-Sprachberatung ***************************************** Wie schreibt man's richtig? ***************************************** Kurzformen ("Mitarbeiter/-innen") Prinzipiell haben Sie zwei Moeglichkeiten, der Gleichstellung von Frauen und Maennern in Kurzform gerecht zu werden - zum einen die Variante mit Schraegstrich, zum anderen die Klammerversion: z. B. "Mitarbeiter/-in" bzw. "Mitarbeiter(in)" oder "Lehrer/-innen" bzw. "Lehrer(innen)". In Faellen, in denen die Endung der weiblichen Form ("-in" oder "-innen") nicht direkt an die der maennlichen Form angehaengt werden kann, ist nur die Klammerschreibung moeglich: z. B. "Patient(inn)en" oder "Kund(inn)en". In einigen hartnaeckigen Faellen lassen sich jedoch maennliche und weibliche Form gar nicht auf einen Nenner bringen. Dies betrifft in erster Linie Singularformen wie "Kunde/Kundin" oder "Arzt/Aerztin". Hier fuehrt kein Weg an der Doppelnennung vorbei. Auf die Schreibung mit dem grossen I im Wortinnern - z. B. "StudentInnen" - sollte man dagegen lieber verzichten, da sie nicht den Rechtschreibregeln entspricht. ********************************** Woher kommt? ********************************** Fastnacht/Fasching/Karneval Der Tag vor Aschermittwoch heisst als "Vorabend der Fastenzeit" um 1200 mittelhochdeutsch "vastnaht". In dem spaeter bezeugten "vas[e]naht" (dem heute oberdeutsch und mittelrheinisch "Fas[e]nacht" entsprechen) ist lediglich die Aussprache erleichert. Die sueddeutsche, urspruenglich bairisch-oesterreichische Bezeichnung "Fasching" erscheint im 13. Jahrhundert als "vaschanc, vastschang" und wurde als "Ausschenken des Fastentrunks" (mittelhochdeutsch "schanc" = Schenken) verstanden. Das auch als Freudenruf "oho, vaschang!" bezeugte Wort wurde dann im 17. Jahrhundert an die Woerter auf "-ing" angeglichen. Die besonders im Rheinland und Norddeutschland uebliche Bezeichnung "Karneval" schliesslich wurde aus italienisch "carnevale" entlehnt, dessen genaue Herkunft bis heute nicht eindeutig geklaert ist. Vermutlich setzt es sich aus lateinisch "caro, carnis" (= Fleisch) und "levare" (= wegnehmen) zusammen. Dass es auf die unmissverstaendliche Aufforderung "Fleisch, lebe wohl!" (lat. "carne vale") zurueckgehen koennte, ist wohl eher eine volksetymologische Deutung - wenn auch im Hinblick auf die Fastenzeit nicht ganz abwegig. ********************************* Fuer Sie nachgeschlagen ********************************* Die sprachliche Entwicklung in der DDR [...] In der DDR war zunaechst der Einfluss des Englischen wesentlich geringer als in der Bundesrepublik. Einige englische Woerter sind ueber das Russische entlehnt worden, z. B. "Dispatcher" (russisch "dispetcer" = leitender Angestellter in der Industrie, aus englisch "dispatcher", zu "to dispatch" = erledigen), "Kombine" (= Maschine, die verschiedene Arbeitsgaenge gleichzeitig ausfuehrt, russisch "kombajn", zu englisch "to combine" = zu einer Einheit zusammenstellen"). Diese Woerter waren in der Bundesrepublik nicht gebraeuchlich, ebenso wenig Broiler (= Brathaehnchen, englisch "broiler", zu "to broil" = grillen, braten. [...] In den Jahren nach 1990 sind viele dieser Bezeichnungen aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Eine Reihe von Woertern sind jedoch weiter im Gebrauch geblieben, so z. B. Zusammensetzungen mit "Feinfrost-" (fuer "Tiefkuehl-"), "Plast/Plaste", "rekonstruieren" (fuer "sanieren, renovieren"), "Zielstellung" (fuer "Zielsetzung", entsprechend auch "[sich] ein Ziel stellen" fuer "[sich] ein Ziel setzen", ebenso die Bezeichnungen "Einraum-, Zweiraum-, Dreiraumwohnung" usw. (fuer "Einzimmerwohnung" usw.). In der Jugendsprache hat "urst" (= grossartig, toll) weiter seinen Platz, und die Wendung "sich einen/keinen Kopf machen" (= sich Gedanken/ keine Gedanken machen) ebenso wie die Fuegung "sich einbringen" haben auch im uebrigen bundesrepublikanischen Sprachraum Aufnahme gefunden. Aus: Duden 7, Das Herkunftswoerterbuch. Mannheim 2001. **************************************** Alles auf einen Klick: Eine Uebersicht ueber alle Neuerscheinungen und Neuauflagen im Fruehjahr 2003 finden Sie ab sofort auf unserer Homepage unter: http://www.duden.de/produkte/neuerscheinungen.html **************************************** Wenn Ihnen dieser Newsletter gefallen hat,dann leiten Sie ihn doch einfach weiter anBekannte und Kolleg(inn)en! Abonnieren kannman den Duden- Newsletter auf unserer Homepageunter http://www.duden.de/newsletter. **************************************** Noch Fragen? Die Duden-Sprachberatung hilft Ihnen prompt undzuverlaessig bei Fragen zur Rechtschreibung, Zeichensetzung,Grammatik und vielem anderen. 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