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echo: deutsch
to: Dieter Doelling
from: Olaf Maschmeyer
date: 2003-07-19 19:09:06
subject: Re: Hi Leute

Hallo Dieter,

(ich werde mal wieder vereinfachen :) )
DD> Das stimmt ja. Der Wiederaufbau der alten DDR hat aber auch mehr gekostet,
DD> wie man vorher gedacht hat.
Es gab ein paar "Berater", die haben gedacht oder jedenfalls
gesagt, man muesse der DDR einfach nur "den Kapitalismus", die
D-Mark und etwas Schwung geben, dann wuerde alles von alleine laufen. Es
muss welche gegeben haben, die es geglaubt haben - solche gibt es heute
noch. =:)
Eigentlich aber waren sich wohl alle darueber klar, dass es gewaltige Opfer
kosten wuerde und auch viel laenger dauern wuerde, deutlich mehr als der
gemeine Politiker erzaehlen wollte. Hoeren wollte das aber niemand so
wirklich gerne. Die einen nicht, weil sie mit 20 Jahren "nach 40
Jahren real existierendem Sozialismus" nicht laenger warten wollten
und damit drohten in den Westen abzuwandern.(mir hat wirklich ein knapp 20
jaehriger erzaehlt, dass er ja 40 Jahre nichts aus dem Westen kaufen
konnte. =:)) Die anderen wollten es nicht hoeren, weil es bedeutet haette,
dass sie ueber laengere Zeit den armen Osten aufbauen muessten, also das,
was "unsere Politiker" immer noch unter den Tisch zu kehren
versuchen.
Es klingt aber viel besser, von "bluehenden Landschaften" zu
reden - und durch nichts zu begruendenden (Zweck-) Optimismus verbreiten zu
wollen, als von Opfern und Einschraenkungen und langer Zeit usw. zu reden
und als Pessimist oder Miesmacher angesehen zu werden. Das war auch mit
einer der Gruende, weshalb die Bundestagswahl 1990 so ausging, wie sie
ausging. Es waere auch muessig, sich Gedanken zu machen, ob ein Kanzler
Lafontaine heute wirklich andere Verhaeltnisse geschaffen haette, denn er
hat sich mit seinen eigenen Aussagen am meisten um die paar Chancen
gebracht, die er gehabt haette. Ohne Grenzoeffnung '89 haette es ihn wohl
Muehe gekostet, Kohl nicht abzuloesen.

DD> Es sind aber auch Firmen aus der BRD dort hin und haben neu aufgebaut.
Die wenigsten Westler haben etwas groesseres neues aufgebaut. Haeufig ging
es nur darum, Konkurrenz fruehzeitig stillzulegen oder Kunden abzugrasen
und deren Geld in der eigenenen Altersversorgung zu binden.
Einige haben auch etwas erschaffen koennen, so ist das auch nicht. Ein paar
Optimisten haben wirklich versucht, etwas aufzubauen und sind klaeglich
gescheitert . Manche am
"es-muss-was-aus-dem-Westen-sein"-Syndrom, manche daran, dass
einige glaubten, einen ungewoehnlich hohen Nachholbedarf zu haben (und sich
den erlauben zu koennen), andere an alten Seilschaften, die sich quer
legten, die Rechtssicherheit und Vertraege verhinderten, ein paar an
bereits grosszuegig im Westen entschaedigten, die ploetzlich "ihr
Eigentum" zurueckforderten, noch ein paar daran, dass manche ihrer
neuen Mitarbeiter die Zeichen der Zeit nicht erkannten (erkennen wollten)
und moeglichst unauffaellig weitermachen und keine Intitiative ergreifen
wollten. Wieder andere sind auch einfach nur am Neid ihrer Mitbuerger
gescheitert - denn im Gegensatz zum Westen, wo sehr hohe Quoten
fremdfinanziert wurden, wurde im Osten nicht wirklich auf Kredit
finanziert, was dann bei den potentiellen Kunden das Gefuehl hervorgerufen
haben muss, dass die "neuen Chefs" dickes Geld hatten oder in
alte Kluengeleien verwickelt waren, waehrend sie selber nicht so wirklich
wussten, wie sie ueber die Runden oder nur in die "neue Zeit"
kommen sollten.

DD> Kurz danach haben sie Pleite gemacht.
Die einen mit Absicht, die anderen, weil sie von vornherein nicht die Spur
einer Chance hatten. Und auch einige, weil sie sich uebernommen hatten.
Schau dir z.B. Papenburg oder Emden an. Wenn die grossen Arbeitgeber
husten, liegen die Zulieferer auf der Intensivstation und die abhaengigen
Laeden, wie Einzelhandelsgeschaefte haben immense Umsatzverluste - und wer
am kleinen Kunden haengt und keine Geldquelle hat, bekommt auch schnell mal
Probleme. Im Osten war es nicht anders - ausser, dass niemand den Gemeinden
bei ihren Aufbauarbeiten auf die Finger geschaut und manchen bei ihrem
Groessenwahn Einhalt geboten hat. So bleiben mancherorts riesige
(teil)erschlossene Wirtschaftsflaechen mit riesigen
Abwasseraufbereitungsanlagen, die mit Bundesmitteln angestossen wurden aber
auf mittlere Sicht weder Arbeitsplaetze gesichert noch welche geschaffen
haben, sondern nur Kosten fuer die Gemeinden und damit fuer deren Buerger.

DD> Haben aber vom Staat reichlich Geld bekommen fuer die Umsiedelung.
... und sie bekommen noch heute Geld (oder drohen, abzuwandern).

freundliche Gruesse,
Olaf

--- Yuppie! v2.12
* Origin: wer nie zurueckblickt, sieht seine Fehler nicht (2:2437/40.26)
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SOURCE: echomail via fidonet.ozzmosis.com

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