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to: Olaf Maschmeyer
from: Clemens Buschmann
date: 2003-07-20 19:56:38
subject: Hi Leute

Hallo Olaf !

Am 19.07.03 schrieb Olaf Maschmeyer an Dieter Doelling:

OM> (ich werde mal wieder vereinfachen :) )
Hast dir aber dennoch Muehe gegeben, nicht nur einen der ueblichen
Zweizeiler zu produzieren :)

DD>> Eigentlich aber waren sich wohl alle
OM> darueber klar, dass es gewaltige Opfer kosten wuerde und auch viel
OM> laenger dauern wuerde, deutlich mehr als der gemeine Politiker
OM> erzaehlen wollte. Hoeren wollte das aber niemand so wirklich gerne.
Weswegen dieselben Politiker wie damals noch heute eifrig wieder-
gewaehlt werden.

OM> Die einen nicht, weil sie mit 20 Jahren "nach 40 Jahren real
OM> existierendem Sozialismus" nicht laenger warten wollten und damit
OM> drohten in den Westen abzuwandern.
Man kann dies als Panne betrachten: noch ein zwei Jahre ohne Wieder-
vereinigung, dafuer mit SPD Regierung und es haette die DDR Staats-
buergerschaft (Grundgesetzaenderung), mithin kein Zuzugsrecht fuer
die Ossis gegeben.

OM> (mir hat wirklich ein knapp 20
OM> jaehriger erzaehlt, dass er ja 40 Jahre nichts aus dem Westen
OM> kaufen konnte. =:)) Die anderen wollten es nicht hoeren, weil es
OM> bedeutet haette, dass sie ueber laengere Zeit den armen Osten
OM> aufbauen muessten, also das, was "unsere Politiker" immer noch
OM> unter den Tisch zu kehren versuchen.
Der Wohlstand im Westen fiel, was gerne vergessen wird, auch nicht
vom Himmel. Wenn von Angleichung der Lebensverhaeltnisse fabuliert
wird: erstens will der Brandenburger nicht wie ein Bayer leben (um-
gekehrt schon gar nicht) und zweitens warum sollte die eigentlich
nicht in Richtung Polen oder Tschechien stattfinden.

OM> Es klingt aber viel besser,
OM> von "bluehenden Landschaften" zu reden - und durch nichts zu
OM> begruendenden (Zweck-) Optimismus verbreiten zu wollen, als von
OM> Opfern und Einschraenkungen und langer Zeit usw. zu reden und als
OM> Pessimist oder Miesmacher angesehen zu werden. Das war auch mit
OM> einer der Gruende, weshalb die Bundestagswahl 1990 so ausging, wie
OM> sie ausging. Es waere auch muessig, sich Gedanken zu machen, ob ein
OM> Kanzler Lafontaine heute wirklich andere Verhaeltnisse geschaffen
OM> haette, denn er hat sich mit seinen eigenen Aussagen am meisten um
OM> die paar Chancen gebracht, die er gehabt haette. Ohne Grenzoeffnung
OM> '89 haette es ihn wohl Muehe gekostet, Kohl nicht abzuloesen.
Wobei es unter SPD Regentschaft wohl kaum zur Vereinigung in der real
abgelaufenen Form gekommen waere. Schroeder z.B. liess der JU (CDU
'Jugend'organisation) per Gerichtsbeschluss verbieten, seinen 80er
Jahre Ausspruch von wegen 'reaktionaeren Wiedervereinigungsphantasien'
unters Volk zu bringen.

DD>> Es sind aber auch Firmen aus der BRD dort hin und haben neu
DD>> aufgebaut.
OM> Die wenigsten Westler haben etwas groesseres neues aufgebaut.
OM> Haeufig ging es nur darum, Konkurrenz fruehzeitig stillzulegen oder
OM> Kunden abzugrasen und deren Geld in der eigenenen Altersversorgung
OM> zu binden. Einige haben auch etwas erschaffen koennen, so ist das
OM> auch nicht. Ein paar Optimisten haben wirklich versucht, etwas
OM> aufzubauen und sind klaeglich gescheitert .
Schwer, hier zu gewichten, wieviele Idealisten, Abzocker oder ganz
normale Investoren am Werk waren.

OM> Manche am
OM> "es-muss-was-aus-dem-Westen-sein"-Syndrom, manche daran, dass
OM> einige glaubten, einen ungewoehnlich hohen Nachholbedarf zu haben
OM> (und sich den erlauben zu koennen), andere an alten Seilschaften,
OM> die sich quer legten, die Rechtssicherheit und Vertraege
OM> verhinderten, ein paar an bereits grosszuegig im Westen
OM> entschaedigten, die ploetzlich "ihr Eigentum" zurueckforderten,
Ich weiss zwar nicht, wie grosszuegig die Vorabentschaedigungen im
Einzelnen waren; jedenfalls wurde kein Enteigneter besser gestellt
als sein besitzender Standesgenosse im Westen, der 45 nix hergeben
musste. Vollends unverstaendlich die Unterscheidung vor/nach 49, die
ja auf der Kohl/Schaeuble/Waigel -Luege von den sowjetischen Bedin-
gungen basierte. Wohlgemerkt geht's nicht darum, der Oma ihr Hauschen
wieder wegzunehmen sondern um vom Staat usurpiertes Eigentum.

OM> noch ein paar daran, dass manche ihrer neuen Mitarbeiter die
OM> Zeichen der Zeit nicht erkannten (erkennen wollten) und moeglichst
OM> unauffaellig weitermachen und keine Intitiative ergreifen wollten.
Ich hoere immer wieder von Mitarbeitern, die viel mehr Anteil am
Schicksal des Betriebes nehmen, als Wessi Arbeitnehmer: unbezahlte
Ueberstunden, Verzicht auf Tarifloehne, etc. War auch beim juengsten
Metallerstreik zu beobachten, als die Fernsehinterviewten nur wenig
Verstaendnis fuer BRD Gewerkschaftskultur aufbrachten. Andererseits
gibt's latuernich ueberall solche und solchene.

OM> Wieder andere sind auch einfach nur am Neid ihrer Mitbuerger
OM> gescheitert - denn im Gegensatz zum Westen, wo sehr hohe Quoten
OM> fremdfinanziert wurden, wurde im Osten nicht wirklich auf Kredit
OM> finanziert, was dann bei den potentiellen Kunden das Gefuehl
OM> hervorgerufen haben muss, dass die "neuen Chefs" dickes Geld hatten
OM> oder in alte Kluengeleien verwickelt waren, waehrend sie selber
OM> nicht so wirklich wussten, wie sie ueber die Runden oder nur in die
OM> "neue Zeit" kommen sollten.
Neid oder berechtigte Skepsis bezueglich der Gerechtigkeit auf dieser
unserer Welt? Man vergleiche hierzu einmal die Renten der Stasimitar-
beiter und -opfer.

OM> Im Osten war es nicht anders - ausser, dass
OM> niemand den Gemeinden bei ihren Aufbauarbeiten auf die Finger
OM> geschaut und manchen bei ihrem Groessenwahn Einhalt geboten hat. So
OM> bleiben mancherorts riesige (teil)erschlossene Wirtschaftsflaechen
OM> mit riesigen Abwasseraufbereitungsanlagen, die mit Bundesmitteln
OM> angestossen wurden aber auf mittlere Sicht weder Arbeitsplaetze
OM> gesichert noch welche geschaffen haben, sondern nur Kosten fuer die
OM> Gemeinden und damit fuer deren Buerger.
Nicht zu vergessen fuer die West Buerger und die Westwirtschaft. Die
Koreaner sagen verstaendlicherweise, der deutsche Vereinigungsweg sei
ein Beispiel dafuer, wie man's nicht machen sollte. Der Herr Altbun-
deskanzler dagegen erzaehlt in seiner Selbstgerechtigkeit noch immer
die Mitterand Anekdote 'die Deutschen schaffen das'. Wo der alte Fuchs
doch genau wusste, dass Wiedervereinigung plus Euro das endgueltige
Ende eines 'starken' Deutschlands sein wuerden. Was er wohl nicht
kalkulierte, war, ob ein schwaches Deutschland im franzoesischen
Interesse laege. Sollte die Talfahrt im Lande fortschreiten, und
davon ist auszugehen, muss wohl auch mal einer auf die Idee kommen,
die deutschen Nettozahlungen an Bruessel in Frage zu stellen: z.B.
in Form eines Thatcher Deals fuer dieses unser Land.

DD>> Haben aber vom Staat reichlich Geld bekommen fuer die Umsiedelung.
OM> ... und sie bekommen noch heute Geld (oder drohen, abzuwandern).
Wie das? Kriegt man in Neufuenfland Handgeld, wenn man sich als
junger Arbeitsloser verpflichtet, nicht abzuhauen? Wuerde irgendwie
in das trostlose Bild einer auf ewig am Transfertopf haengenden Ge-
sellschaft passen.

Besten Gruss,
 Clemens

--- APoint 1.25 
* Origin: Ändern kann man goa nix, weil sonst hätt' man's scho (2:244/1351.11)
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SOURCE: echomail via fidonet.ozzmosis.com

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