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from: Soeren Polster
date: 2003-09-15 00:00:00
subject: Salon im Net Ausgabe Nr. 9

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## Nachricht weitergeleitet / Mail forwarded (Datum/Date): 13.09.03
## Ursprung / Source:   soeren polster{at}DU3
## Ersteller / Origin:  ilona.duerkop{at}laostagebuch.net


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                                                  Salon im Net
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Ausgabe Nr.   9                                       13. September 2003
Druck-Information: Dieser Newsletter hat 10 Seiten
(Durch den Beitrag: Reise nach Kambodia, Reise durch die Jahrhunderte, ist
dieser Salon im Net Newsletter, etwas ueppiger als gewoehnlich.)

1. Neues im Salon
2. Neues im Laos Tagebuch
3. Thema: Reise nach Kombodia, Reise durch die Jahrhunderte
4. Thema: Eine Woche Tagebuch schreiben im Salon
5. Schlagzeilen aus der Vientiane Times (engl.)
6. Literaturquiz
7. Die Netwanderin Ilona Duerkop stellt vor
8. Autobiographisches
9. Sturz in die Literatur mit Kira
10. Leserbriefe
11. Deine Homepage
12. Das Gedicht zum Schluss
Impressum

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1.	Neues im Salon
Seit dem 9. Juni, gibt es im Salon das Montagsnotizbuch. An jedem Montag
finden sich dort Gedanken die mich bewegen, kurze Zitate aus Zeitung,
Dichtung und Philosophie. Am 8. September bat ich um die Erlaubnis, einen
Tagebaubeitrag von Sylvia Hagenbach, dort zu posten. Die Autorin hat mir
freundlicherweise die Erlaubnis erteilt.
Das Montagsnotizbuch ist ein direkter Nachfolger, des unregelmaessigen
Zettelkastens, der ab und an im Salon erschien.
Im Salonforum befinden sich Eintraege, zum Montagsnotizbuch.
Vielen Dank all jenen, die das Salonforum bereits genutzt haben um mir
ihre Gedanken mitzuteilen. Schoen wenn sich daraus ein Gespraech entspann.
Das Montagsnotizbuch befindet sich im Salon, auf der rechten Seite, im
Salonindex.
http://www.laostagebuch.net/salon.html
Das Montagsnotizbuch, hat wie alle anderen Salonbeitraege auch einen
eigenen Link, wer ausschliesslich das Montagsnotizbuch lesen moechte, ohne
die Frames des Salon, findet es hier:
http://www.laostagebuch.net/montagsnotiz.html
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2.	Neues im Laos Tagebuch
Der Index,  meine Startseite, hat eine Aenderung erfahren, die euch helfen
soll, die neusten Eintraege auf einen Blick zu finden.
Meine Seite ist inzwischen so umfangreich geworden, dass es nicht immer
einfach war, in der Vergangenheit, Veraenderungen zu finden.
Am Ende der Startseite findet ihr die vier letzten Aenderungen mit Datum
und Link zum "Wo". Jetzt braucht ihr euch nur noch einen Link zu merken:
http://www.laostagebuch.net
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      3.     Thema:  Reise nach Kambodia, Reise durch die Jahrhunderte

Unsere Reise nach Kambodia fuehrte uns zunaechst, fuer einige Tage nach
Bangkok.
Die geplanten Tage in Bangkok wurden durch den Verlust meiner Handtasche
und Lars Portemane verlaengert. In meiner Handtasche befand sich mein
Reisepass und ein Timer, der viel genutzt und seit Jahren ein taeglicher
Begleiter, bis heute schmerzlich vermisst wird von mir. Auch Lars
Reisepass und unsere Fuehrerscheine, sind den Dieben in Hand gefallen. Ein
Loblied auf das Handy folgt sogleich: Lange haben wir uns gegen diese
Anschaffung zur Weh gesetzt, wir muessen nicht immer und ueberall erreichbar
sein. In Bangkok hat es sich jedoch sehr bewaehrt, so konnten wir Lars
Kreditkarten gleich sperren. Leider vergassen wir die American
Expresskarte, die in Asien ohnehin nicht sehr hilfreich ist. Noch am
gleichen Tag wurde ein Einkauf fuer 22. 000 Baht (etwa 500 Euro), getaetigt.
Die Karte wurde von uns einen Tag spaeter erst gesperrt.
Die deutsche Botschaft hat uns nach Ruecksprache mit der Botschaft in
Vientiane (in der wir gut bekannt sind), innerhalb von wenigen Stunden
einen Ersatzpass ausgestellt.
Ein wenig zauderten wir noch, ohne Fuehrerschein unsere Reise nach Kambodia
fortzusetzen. Geld hatten wir zum Glueck, da ich noch im Besitz meiner
Kreditkarten war, zum Glueck war meine Portemane nicht in der Handtasche,
sonst waere an diesem grauen Tag unsere Reise ohnehin schon vor Beginn,
beendet gewesen.
So konnten wir unsere Reise fortsetzen.
Die Kambodschanischen Grenzbeamten waren sehr hilfreich, auch wenn sie
erst in Phnom Penh anrufen mussten, welche Formalitaeten fuer die Einreise
unseres Autos zu treffen seien. Ich durfte die Provinz Koh Kong nicht mit
dem Auto verlassen, was ich versprach, so durften wir also erst einmal
weiterfahren und ein Hotel suchen. Wenig darauf machte sich Lars mit dem
Taxi auf den Weg. 48 Stunden spaeter verliessen wir Koh Kong und unsere
Reise begann.
In Sihanoukville verbrachten wir drei Tage am Strand.In Phnom Penh  
erfuhren wir von Freunden, dass mit Unruhen nach den
Praesidentschaftswahlen erst eine Woche nach der Wahl zu rechnen sei und
das diese sich hoechst wahrscheinlich auf Phnom Penh beschraenken wuerden. So
genossen wir Phnom Penh. Es gaebe viel zu erzaehlen.
Erwaehnen moechte ich nur den Besuch der Tuol Svay Prey High School. 1975
wurden sie von Pol Pot in ein Gefaengnis umgewandelt und ist, als solches,
in heutigen Tagen zu besichtigen. Es gibt nicht viel zu sehen, doch das
wenige hat mich tief beruehrt und betroffen gemacht. Ich habe nicht alle
Raeume besucht, ich habe die Schicksale der Menschen (Frauen, Kinder,
Maenner, Alte und Junge, schwangere die hier entbinden mussten), nicht
ertragen. Wie grausam war es fuer die Menschen, deren Blut hier verschuettet
wurde. Gehalten wie Tiere. Sie konnten sich nicht entziehen, keine Minute,
keine Sekunde. Wie lang sind ein Tag und eine Nacht, wenn sie in Sekunden
verstreichen? Wenn man jede einzelne davon fuerchten muss, verhoert zu
werden?
Den Souvenir-Shop, am Ende des Rundgangs, empfand ich als Beleidigung, fuer
all die Menschen die hier gelitten, gefoltert und starben, oder von hier
in andere Lager abtransportiert wurden.

Auf dem Weg nach Siam Reap besuchten wir Entwicklungshelfer des DED, die
uns freundlich in ihrem Haus als Gaeste begruessten.
In Siam Reap leisteten wir uns den Luxus und uebernachten fuenf Naechte im
Pan Sea Hotel. Fuer Angkorwat kauften wir drei Tageskarten und holten jeden
Morgen unseren Fuehrer ab, der uns kenntnisreich die Besonderheiten der
Tempel von Angkor erklaerte.
Ueberrascht erfuhren wir am Tag, als wir unsere Tickets fuer die naechsten
Tage kauften, dass wir um 17 Uhr in die Tempelstadt fahren durften, auch
wenn die Tickets erst fuer den naechsten Tag galten, dass liessen wir uns
nicht zwei Mal sagen.
So fuhren wir mit dem Auto in die Tempelstadt, als wir durch das Suedtor
fuhren, blieb mir die Luft weg, ein Schauer, den mir keine Zaertlichkeit
entlocken koennte. Ich fuehlte mich im tiefsten Inneren beruehrt. Wenig
spaeter hatten wir unseren ersten Sonnenuntergang erklettert, jeder Schritt
traf Geschichte.
Angkorwat ist sicher viele Worte wert, es ist unglaublich und ich hoffe
eines Tages wieder dorthin zurueck kehren zu duerfen. Der Luxus mit dem
eigenen Auto in Angkorstadt zu fahren, ist sicher vergaenglich. Ich kann
mir das Chaos zukuenftiger Tage vorstellen, wenn sich Autoschlangen unter
ehrenvoll gealterten Baeumen, muehsam voran waelzen.

Wir verliessen Siam Reap am 21. August, nach vielen Stunden Autofahrt,
erreichten wir Bangkok, gegen 22 Uhr.
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4.	Thema: Mitschreiben im Salon

Der Salon laedt ein: Eine Woche Tagebuch schreiben im Salon!
In der Woche vom 7. bis zum 14. April 2003, schrieb Carsten Luedtge ein
Blogger Diary.
http://www.laostagebuch.net/carsten.htmlIch bedanke mich sehr herzlich  
fuer den sehr persoenlichen Einblick, in eine
Woche seines Lebens.

Sendet eure Beitraege fuer den Salon bitte via E-Mail an mich. Der Betreff
sollte "Salon Tagebuch von ....." heissen.
ilona.duerkop{at}laostagebuch.net
Ich bedanke mich ganz herzlich fuer den sehr persoenlichen Salonbeitrag von
Marjolijn Weststrate ueber den tragischen Tod ihres Freundes, Geliebten,
Mentor. Sie schrieb fuer den Salon am 28. Juni 2003.
http://www.laostagebuch.net/03_06_28.html{at}   {at}   {at}   {at}   {at}   {at}   {at}   {at}   {at}  
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5.	Schlagzeilen aus der Vientiane Times (engl.)
Unter dem Link von Vientiane Times, Laos.
http://www.vientianetimes.gov.la
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6. Literaturquiz
Der gesuchte Roman beginnt mit den folgenden Worten:

In der Wueste Sinai

Der Magus riss der jungen Frau das prupurrote Gewand von den Schultern. Sie
sass nackt und gefesselt im silbernen Mondlicht auf dem schweissbedeckten
Pferd.
Seinem Gefolge verschlug es den Atem. Die Maenner bestaunten schweigent die
Schoenheit der Frau. Sie glich den Statuen auf dem Markt, denn sie schine
ebenso weiss, kuehl und vollkommen zu sein. Aber keine Statue hatte wie sie
so lange schwarze Haare, die ihr ueber den Ruecken und die entbloessten Brueste
fielen. Auch das leichte Zittern liess keinen Zweifel daran aufkommen, dass
dies Frau aus Fleisch und Blut war.
Die Fesseln an Haenden und Fuessen nahmen ihr nichts von ihrer Wuerde. Einige
der Maenner wurden unruhig, senkten verlegen die Koepfe.

Loesungen mit dem Betreff: "Literaturquiz: Salon im Net Ausgabe 09"
an ilona.duerkop{at}laostagebuch.net
Die erste richtige Einsendung erhaelt eine Postkarte aus Laos.Die  
Anschrift des oder der Abonnentin erfrage ich im Gewinnfall per
E-Mail. Die Postanschrift wird von mir nicht weiter gegeben an Dritte.

Aufloesung! Literaturquiz Salon im Net Ausgabe 8:

Das Piano von Jane Campion und Kate Pullinger
Harald Summer sandte die erste Mai mit der richtigen Antwort, zwei
Postkarten aus Laos sind auf dem Weg zu ihm. Vielen Dank fuer die
Beteiligung.
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       7. Die Netwanderin Ilona Duerkop stellt vor:

Garten der Frauen e.V. http://www.garten-der-frauen.deBei diesem Garten  
der Frauen handelt es sich um einen Frauenfriedhof. Hier
fanden und finden, viele Kuenstlerinnen, Bildhauerinnen,
Schriftstellerinnen, Saengerinnen und Taenzerinnen, ihre letzte Ruhestaette.
Der Garten befindet sich in Hamburg und Besucherrinnen, erfahren viel
wissenswertes ueber die hier beigesetzten Frauen.
Ein Versuch ihr Leben und ihre Geschichte, dem Vergessen zu entreissen.Wer  
einmal in Hamburg ist, sollte diesen Garten der Frauen besuchen.Fotos und  
Kurzbiographien, befinden sich auf der Hompage.
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8. Autobiographisches

Ich wuerde gerne wissen, was aus Kamla und seiner Frau wurde! Hat sie sich
erholt, kam sie zurueck? Und kam Kamla wieder normal zur Arbeit?

Kamla kam wieder normal zur Arbeit und seine Frau ist recht bald wieder
nach Vientiane zurueck gekehrt, wohl auf! Sie brachten ihre beiden Soehne
aus erster Ehe mit. Die beiden Jungen sind sieben und zwoelf Jahre alt. Das
hat Kamla einige Kopfzerbrechen bereitet und ihm auch Angst gemacht. Sah
er sich doch ploetzlich mit der Situation konfrontiert, von seinem Gehalt
seine Frau und zwei Kinder zu ernaehren. Er ist wohl davon ausgegangen,
dass die beiden Kinder bei Verwandten seiner Frau bleiben, was durchaus
ueblich ist in Laos.
Da die Familie seiner Frau annimmt das Kamla mehr Geld verdient, als sie
selbst,  ist dies eine nachvollziehbare Entscheidung.  (Das Gehalt eines
Direktors einer staatlichen Versuchsanstalt im landwirtschaftlichen
Sektor, betraegt 180.000 Kip. Kamla verdient mit seiner Arbeit als
Nachtwaechter und Gaertner annaehrend 1.000.000 Kip)
Kamla hat ein regelmaessiges Einkommen, solange wir in Laos bleiben und er
bei uns arbeiten kann. Ihm ist bewusst das dies auf Zeit ist und er macht
sich Sorgen um die Zukunft.
Viele der neu eingereisten Auslaender, suchen Hausangestellte die Englisch
sprechen koennen, da sie selbst kaum laotisch sprechen koennen.
Die Zahl der Laoten, die Englisch sprechen koennen nimmt stetig zu und es
ist fuer die Neu-Einreisenden wesentlich einfacher Hausangestellte zu
finden die Englisch sprechen koennen. Das war vor sieben Jahren noch ganz
anders, als ich mit meiner Familie in Laos ankam. Schon damals gab es,
wenn auch weit weniger als Heute,  LaotInnen die gut Englisch oder
Franzoesisch sprechen konnten, auch Russisch (was nicht verwundert, wenn
man auf die juengste Geschichte von Laos blickt.)
Wir haben schon in Deutschland begonnen Laotisch zu lernen und wollten
auch weiterhin die Sprache des Landes lernen, deshalb trafen wir ganz
bewusst die Entscheidung, Laoten einzustellen, die kein Englisch konnten
um auch weiterhin zu lernen.
Die Entwicklungen die hier inzwischen statt gefunden haben, machen es fuer
Kamla sehr schwierig, nach unserem Fortgang in Laos, wieder eine Arbeit zu
finden.

Da ich den Anfang des Laos-Tagebuches noch nicht gelesen habe, weiss ich
nicht, wie bzw. weshalb Sie nach Laos gingen?

Diese Frage findet sicher eine erste Antwort, wenn sie (inzwischen gingen
einige Mails hin und her und wir sind beim Du angekommen ;-)), wenn du dem
Link unten folgst,  findest du alle Fragen die mich seit bestehen des
Newsletters erreicht haben.
Wenn du darueber hinaus noch Fragen hast, dann schreibt mir  eine Mail.

Ich bedanke mich fuer diese Fragen, sehr herzlich, bei Heidi Sturm-Noré.

Fragen mit dem Betreff "Autobiografisches" an
ilona.duerkop{at}laostagebuch.net
Eine Zusammenfassung aus allen Fragen die im "Salon im Net" gestellt
wurden, befindet sich hier: http://www.laostagebuch.net/autobio.html
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9. Sturz in die Literatur mit Perke Kuehnel

"Seltsame Sterne starren zur Erde,
Eisenfarbene mit Sehnsuchtsschweifen,
Mit brennenden Armen die Liebe suchen ..."

Else Lasker-Schueler


Eine junge Tuerkin liest Else Lasker-Schuelers Gedichte in ihrem WG-Zimmer
in einer ehemaligen Fabriketage im Berliner Wedding. Auch sie kennt
Sehnsucht und die Suche nach Liebe.
1976 ist die zwanzigjaehrige Schauspielerin auf der Flucht vor der
tuerkischen Militaerdiktatur und einer gescheiterten Ehe von Istanbul nach
Berlin gekommen. Sie liebt das brechtsche Theater und verehrt den
Regisseur Benno Besson, Intendant der Volksbuehne in Ost-Berlin und
Brechtschueler.
Gleich nach der Ankunft am Bahnhof Zoo verstaut sie ihren Koffer in einem
Schliessfach, besteigt die S-Bahn und faehrt zur Volksbuehne. Dem erstaunten
Grenzpolizisten und spaeter dem Pfoertner erklaert sie, sie wolle zu Benno
Besson. Der Pfoertner bittet sie, im Foyer des Theaters zu warten. Vier
Stunden lang sitzt sie dort und starrt den Fuenfmarkschein Ost an, den sie
an der Grenze wechseln musste.
Dann kommt Besson und stellt sie kurzerhand als Hospitantin fuer die
naechste Inszenierung eines Heiner-Mueller-Stuecks ein.
So schnell konnte man 1976 in Ost-Berlin eine Stelle bekommen.
Zurueck in West-Berlin zieht sie in ein WG-Zimmer im Wedding. Die
Fabriketage ueber einem Puff, der hauptsaechlich von Tuerken frequentiert
wird, starrt vor Schmutz. An Sonn- und Feiertagen wird die Heizung
ausgestellt, man badet zu dritt oder viert in der alten dreibeinigen
Badewanne und fruehstueckt den ganzen Tag. Der Toaster speit ununterbrochen
Toastscheiben. Die freie Liebe wird so geraeuschvoll praktiziert, dass die
Diskussion ueber lediglich vorgetaeuschte lautstarke Orgasmen die WG
spaltet.

Bevor die Autorin, als die die Erzaehlerin unschwer zu erkennen ist, ein
Visum fuer die DDR erhaelt, muss sie jeden Tag die Grenze ueberqueren. So
unterschiedlich sind die beiden Teile der Stadt, dass sich die junge Frau
wundert, dass derselbe Regen und dieselben Sterne in Ost und West zu
spueren bzw. und zu spueren sind. In einer sehr poetischen Sprache und mit

--- CrossPoint v3.20 R
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SOURCE: echomail via fidonet.ozzmosis.com

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