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| subject: | Duden-Newsletter vom 20. August 2004 |
FORWARD!
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aus dem Echo : private Mail
Originalabsender : duden-newsletter{at}lists.duden.de
Originaldatum : 20.08.04
Orignalempfaenger :
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+++ Duden-Sprachberatung +++
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Liebe Leserin, lieber Leser,
es rauscht im Bl„tterwald. Das Thema Rechtschreibung beherrschtdie Medien
und erhitzt die Gemter. In unserem heutigenNewsletter m”chten wir Sie ber
einige Aspekte dieses Themasinformieren, die in der Diskussion bisher kaum
zur Sprachegekommen sind. Hierzu geh”rt beispielsweise der Hinweis aufdie
Rechtschreibreform von 1901, die sich bei n„herem Hinsehengar nicht so sehr
von der heutigen unterscheidet.
Tunfische, Delfine und Panter tummeln sich zurzeit wieder inzahlreichen
šberschriften oder auf Schultafeln alsParadebeispiele fr die
Rechtschreibreform. Wir haben dahereinmal die wichtigsten Žnderungen der
neuen Rechtschreibung imBereich der Fremdw”rter fr Sie zusammengestellt.
Zur Rechtschreibreform „uáern sich in letzter Zeit zahlreicheProminente.
Auch im Duden-Newsletter kommt diese Woche einePers”nlichkeit zu Wort - und
zwar Prominenz mit Kompetenz: Wirhaben fr Sie nachgeschlagen, was der
Leiter der Dudenredaktion,Dr. Matthias Wermke, in einem Zeitungsbeitrag der
Sdwestpressezu diesem Thema geschrieben hat.
Viel Spaá beim Lesen wnscht Ihnen
Ihre Duden-Sprachberatung
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H„tten Sie's gewusst?
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Die Rechtschreibreform von 1901
Bisweilen f”rdert der Blick zurck in die Vergangenheiterstaunliche
Parallelen zur Gegenwart zutage. So auch im Fallder neuen deutschen
Rechtschreibung. Die wenigsten wissenn„mlich, dass unsere vertraute
"alte Rechtschreibung" keineswegsso alt ist, wie immer vermutet
wird, sondern erst im Jahr 1876kodifiziert wurde. Aus diesem Jahr datieren
die Beschlsse derso genannten I. Orthographischen Konferenz, an der Konrad
Dudeneinen wesentlichen Anteil hatte und die mit ihren Beschlssensozusagen
eine erste Rechtschreibreform herbeifhrte.Abgeschafft wurde erst mit
dieser Reform das "th" in heimischenW”rtern und damit
Schreibweisen wie "Theil, Thier, Athem,Eigenthum, Armuth, Noth,
Werth". Die Verbindung "ey" wurde zu"ei",
beispielsweise in "seyn, meynen, bey". Eingedeutscht wurdeeine
groáe Zahl von Fremdw”rtern, indem "c" durch "k" oder
"z"ersetzt wurde, wie etwa in "Casse, Cultur, Clavier,
Medicin,Cigarre, Citrone, social".
Die Beschlsse, die auch eine groáe Zahl von Varianten zulieáen,riefen in
der ™ffentlichkeit zum Teil heftigen Widerstand gegendie ungewohnten
Schreibweisen hervor, der - wie das damaligeKommissionsmitglied Wilmanns
beschreibt - auch in den Zeitungenstarken Widerhall fand: "Die Presse
besch„ftigte sich eifrig mitder Angelegenheit, einzelne Bl„tter begráten
die Verordnung mitFreuden, viele verhielten sich ablehnend [...] Manche
Artikelwaren augenscheinlich dazu bestimmt, das Publikum zu
verwirren,andere es durch ungeheure Vorstellungen zu schrecken,
wiederandere es mit Spott und Hohn zu belustigen."In den Schulen
wurden die neuen Schreibweisen bereits seit 1876unterrichtet, in Žmtern und
Beh”rden aber auf Betreiben Bismarckshin verboten. Erst im Jahr 1901 setzte
sich die Schreibreform mitder II. Orthographischen Konferenz endgltig in
allen Bereichendes ”ffentlichen Lebens durch.
Wer also heute glaubt, sich mit den ver„nderten Schreibweisennicht
anfreunden zu k”nnen, kann sich tr”sten, dass bereits vorber hundert
Jahren Menschen Wortbilder wie "Teil, Armut, sein,Kultur"
zun„chst fr unertr„glich hielten, sich aber im Laufe derZeit daran
gew”hnten. Und auch die Sorge, die groáen Werke derLiteratur wrden durch
neue Schreibweisen verunstaltet, istunbegrndet: Goethe, Schiller, Fontane
und alle anderen Klassikerhaben bereits 1901 eine Schreibreform unbeschadet
berstanden,und dass auch vor 1996 ihre Werke nicht im Original gelesen
wurden,tat ihrer Originalit„t keinen Abbruch.
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Was Sie schon immer wissen wollten
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Schreibvarianten bei Fremdw”rtern
Angleichungen bzw. so genannte Eindeutschungen von Fremdw”rtern gabes im
Deutschen schon immer. Zahlreiche Fremdw”rter sind berhauptnur noch in
ihrer eingedeutschten Form vorhanden, wie z. B. die"Bluse"
(ursprngl. "Blouse"), der "Streik" (ursprngl.
"Strike")oder auch das "Bro" und der "Keks",
die sich bis Anfang der50er-Jahre auch noch als "Bureau" bzw.
"Cakes" im Duden fanden.
Andere wiederum befinden sich schon seit Jahren oder Jahrzehnten ineinem
Prozess der allm„hlichen Integration und sind schon seit langemin zwei
Schreibvarianten zul„ssig; z. B. Grafik/Graphik,
Fris”r/Friseur,Kusine/Cousine, Majon„se/Mayonnaise, kodieren/codieren,
Nugat/Nougat.
Mit der Neuregelung der Rechtschreibung wird dieser Prozess nun
weiterfortgesetzt. Bei Fremdw”rtern mit den Wortbestandteilen -phon,
-photund -graph - bei denen in Einzelf„llen schon eingedeutschte
Formenexistierten, vgl. "Grafik", "Mikrofon" oder
"Fotografie" - ist jetztgenerell auch die integrierte Variante
zul„ssig, z. B.Orthografie/Orthographie, Paragraf/Paragraph,
Saxofon/Saxophon,Fotosynthese/Photosynthese. W”rter mit den Endungen
"-tial" und"-tiell" k”nnen jetzt auch mit "z"
geschrieben werden, wenn verwandteSubstantive auf "z" existieren,
z. B. Potenzial/Potential,differenziell/differentiell.
Daneben wird eine Reihe einzelner h„ufig gebrauchter Fremdw”rter inihrer
Schreibung angepasst, wobei auch hier die bisherige Schreibungweiter
zul„ssig bleibt. Neben Spagetti/Spaghetti, Jogurt/Joghurt
oderPortmonee/Portemonnaie treffen wir hier wieder auf
"Tunfisch", "Delfin"und Panter, die natrlich auch
weiterhin als "Thunfisch", "Delphin"
und"Panther" durchs Leben gehen drfen.Keine Žnderungen bzw.
Varianten gibt es jedoch, wie oftf„lschlicherweise zu lesen, bei
"Katastrophe", "Philosophie" oder"Alphabet".
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Fr Sie nachgeschlagen
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Rechtschreibreform
Dr. Wermke gibt Gastkommentar fr die Sdwestpresse
Warum eigentlich eine neue Rechtschreibung? Weil an der
"klassischen"jahrzehntelang herumgen”rgelt wurde. Zu viele
Regeln, zu kompliziert,zu unsystematisch, zahllose Sonderf„lle. Schwer
lehr-, noch schwererlernbar. Und berhaupt ...
Seit 1996 wird die neue Rechtschreibung unterrichtet. Sie hat die Zahlder
Regeln reduziert, systematisiert, was zu systematisieren ging,enth„lt
weniger Ausnahmen. Dafr gibt es mehr Schreibvarianten und mehrindividuelle
Entscheidungsfreiheit. Ein Bruch mit der Schreibtraditionfand nicht statt.
Zum "keiser im bot" kam es nicht, die "filosofie"
bliebeine Ente. Fr Schler und Lehrer geht die Sache auf, h”rt man.
Gen”rgeltwird weiter, heftiger denn je. Einige t”nen, eine Rechtschreibung,
diesich an Schlern und Vielschreibern orientiere, niemals zu
akzeptieren.Die haben aber auch schon frher fr sich in Anspruch genommen,
zuschreiben, wie sie wollten. Dem Rechtschreibunterricht ntzt das
nichts.Den vielen Sekret„rinnen und denjenigen, die sich mit
ihrenBewerbungsschreiben nicht blamieren wollen, auch nicht.
Was bewirkt die neue Rechtschreibung? L„ngst nicht, was ihre
Kritikerheraufbeschw”ren. 98 % der neuen Rechtschreibung sind die alte. Das
siehtjeder, dessen Tageszeitung nach den neuen Regeln gedruckt ist.Am
auff„lligsten ist noch der Ersatz von á durch ss. Ehrlich: Texte inneuer
Orthografie sind nicht weniger verst„ndlich als solche inherk”mmlicher. Und
K„nguru ohne h hat nichts mit Sprachverhunzung zu tun.Das Vorhalten von
Fehlern ist unfein und hilft nicht weiter. Fehler wurden
auch frher gemacht und sind im Zweifel nicht den neuen Regeln,
sondernmangelnder Sorgfalt oder der Tatsache geschuldet, dass die
Korrektorenwegrationalisiert worden sind. Das Chaos ist herbeigeredet.
Und jetzt? Die neue Rechtschreibung ist seit acht Jahren Alltag.
Siefunktioniert da, wo sie funktionieren soll. Wer bei den alten
Regelnbleiben will, darf das tun. Das Neue wird sich dennoch Bahn
schaffen.Man nannte die Rechtschreibreform einmal eine "kleine Reform
derVernunft".In der derzeitigen Debatte ist gerade sie neben dem
n”tigen Sachverstandzu vermissen. Vernnftig ist es, bei der Neuregelung zu
bleiben, diese inihrer weiteren Entwicklung sachkundig zu beobachten und
behutsam dortanzupassen, wo es sich aus dem Schreibgebrauch ergibt. So hat
es derDuden in der Vergangenheit gemacht. Das funktioniert auch in der
Zukunft.
Dr. Matthias Wermke
Leiter der Dudenredaktion
Aus: Sdwestpresse vom 14.08.2004
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